Als Ergänzung zu gestern
Ich denke, es war nicht besonders schwer, aus dem Eintrag von gestern zu schlussfolgern, dass ich im Büro ganz schön einstecken musste. Ehrlich gesagt wollte ich gestern sogar hinschmeißen, aber irgendwann heute ist die Wut dann in eine "jetzt erst recht"-Mentalität umgeschlagen. Dazu hat sicher auch der heutige Abend beigetragen, an dem ich das Vergnügen hatte, einige sehr interessante Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen, die ähnliche Ziele wie X (aber in anderen Organisationseinheiten unseres Referates) verfolgen. Wir waren dann auch noch beim Italiener und so bin ich eben erst nach Hause gekommen.
Morgen wäre ich gern bei einem Projekttag dabei gewesen, aber X und ich haben entscheiden müssen, dass derzeit das Klima in der Arbeit nicht so ist, als dass wir noch irgendeine Bitte äußern könnten. Im Moment geht es eigentlich nur darum, ein wenig Ruhe in die eskalierende Situation zu bringen. Letzten Endes nützt es weder X noch mir, wenn ich vor lauter Kampfeslust und einem naiven (um nicht zu sagen dummen) Fatalismus mit fliegenden Fahnen untergehe. Obwohl ich genau das gestern Abend wollte und mich wahrscheinlich nur die Tatsache, dass ich heute keine Zeit hatte, den Untergang herbeizuführen, eben davor bewahrt hat.
Was ich wirklich lernen muss, ist, dass es wenig hilfreich ist, wenn man einem jede Gefühlsregung aus dem Gesicht lesen kann. Wenn man weder Ärger verbergen noch in den ungünstigsten Situationen das süffisante Grinsen unterdrücken kann.
Was ich schon gelernt habe, ist, dass Freunde und Kollegen, die einen in der Sache verstehen und unterstützen, sehr wichtig sind. Ich habe einen wunderbaren Kollegen, der mir gegenüber sitzt und immer da ist, wenn ich der Verzweiflung mal wieder nahe komme. Dann sind da X und eigentlich jede/r einzelne seiner Mitarbeiter/innen. Und noch einige mehr, die sich fast liebevoll um mich und meine Situation kümmern. Insofern habe ich noch Glück. Andere müssen die Abgründe der Verwaltung sicher ohne jeden Beistand kennenlernen und erleben.
Na gut, es ist wirklich Zeit ein paar Stunden zu schlafen. Gute Nacht!
Comments
Hallo Michelle. Ich habe gerade dein ganzes Drama gelesen. Mensch, das klingt aber auch nicht gerade lustig - obwohl ich den von dir geschilderten Galgenhumor durchaus kenne. In diesen Momenten befällt mich immer ein gewisser Fatalismus; dann provoziere ich gern und mache alles nur noch schlimmer. So einen Tag hatte ich gestern.
Heute war es besser. Dank X weiß inzwischen das halbe Referat von meinen Problemen. Dreiviertel der Leute, mit denen er meine Situation bespricht, habe ich noch nie getroffen. Aber alle wollen mir helfen. X wollte morgen beim Amtsleiter vorsprechen, denn er will mich "beschützen". Ich hab ihm gesagt, dass ich im Moment nicht will, dass er für mich den zweiten Amtskrieg nach 2005 startet und dass seine Versuche, mir zu helfen, schon früher ins Gegenteil umgeschlagen sind. Ich denke, im Moment hilft keine Eskalation, sondern nur ein wenig Gras über dem Boden. Trotzdem finde ich es sehr rührend wie er sich um mich kümmert. Einem ziemlich einflußreichen befreundetem Genossen hat er heute meine E-Mail Adresse gegeben, damit der mich in seinen Verteiler aufnimmt und mich zu SPD-Arbeitskreisen einlädt. Finde ich schon ganz lustig, dass sich Green-Party-X um meine Parteikarriere kümmert, obwohl ich selbst gar nicht weiß, ob ich darauf Lust habe. LOL
Dir eine gute Nacht und halt die Ohren steif. Ich habe gerade mit einer Freundin telefoniert, die hatte noch einen tausend mal schlimmeren Tag als wir beide zusammen. Insofern sollten wir dankbar sein, dass wir den Ereignissen in der Arbeit Humor entgegensetzen können. ttyl
Du würdest sicher eine erstklassige Politikerin abgeben. :-P
Und ja, ich denke, ich werde auch daran denken, dass es anderen viel schlechter geht. Aber wie gesagt, mir geht's ja auch nicht wirklich so schlecht. Sobald ich mich ausgesprochen habe, wische ich mittlerweile solche Sachen auch recht schnell weg.
uhm, sorry... aber ich verstehe gar nix mehr!
aber auch wenn ich keine ahnung habe, egal - alles gute, lass dich nicht ärgern!
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Hi Anne, ich habe heute wohl ein ähnliches Erlebnis hinter mir, aber komischerweise gehe ich einfach nicht unter.
Ich denke jedenfalls auch, dass es eine gute Idee ist, mal etwas Gras über die Sache wachsen zu lassen, um dann vorsichtig wieder einzusteigen. Vielleicht muss man in solchen Momenten auch einen gewissen Humor behalten. Aber den hast du sicherlich, auch wenn du derzeit sehr enttäuscht klingst.